Montag, 23. März 1998

Mofa Kamikaze




ein indischer Gajah

Gestern waren wir ein bißchen wandern. Naja "wandern", eher klettern. Die Indonesier bauen einen Wanderweg nicht wie wir deutschen um den Berg herum, sondern wählen den direkten Weg. Unser Gastgeber meinte, es wäre ein guter Wanderweg, einfach. Ich will wirklich nicht die schlechten sehen! Köm und ich waren Bergauf ganz schön am prusten. Ich dachte, ich würde nie diesen Berg hochkommen. Doch nach zwei ½ Stunden waren wir doch oben. Nun kann ich sagen, ich war im höchsten Süßwassersee in Süd-Ost-Asien schwimmen. Dieser Kratersee war beängstigend, weil er so tief war, doch die Schlange von Loch Ness hat mich diesmal noch verschont. Vom See ging ein Wasserfall ab. Es war schon das pure Abenteuer, an einem vibrierenden Baumstamm gelehnt, in 20m Tiefe das rasende Wasser zu sehen. Köm, der Verrückte, mußte über den Baumstamm, der direkt über dem Wasserfall lag, auf die andere Seite klettern. Am See trafen wir noch einen Tschechen, der genauso wie wir erstaunt war, noch weitere Touris zu treffen. Gestern hat mich total geplättet.

Heute haben wir uns ein Moped ausgeliehen. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich so ein Ding unter mir. Fahren in Indonesien ist so easy. Regeln gibt es so gut wie keine, das Einzige, was man braucht, ist eine Hupe, und man muß daran denken links zu fahren.

Tiefer Dschungel
Wir beide wurden richtige Kamikazefahrer, zum Glück fuhr die Maschine nicht all zu schnell. Die Straßen sind der wahre Wahnsinn. Superenge Kurven, plötzlich auftauchende Schlaglöcher, Ochsen, Hunde, Hühner, Enten, die Dir den Weg versperren und total verrückte Indonesier, die fahren, als wäre der Teufel hinter ihnen hinterher. Naja, wir haben dann noch so einige paar nette Sachen, wie 45m Wasserfall und brodelnde Quelle gesehen.

Nun sitze ich mal wieder bei Subandis im Wohnzimmer vor der Flimmerkiste und ziehe mir diesen seltsamen Kram rein, der im Fernsehen läuft. Die Kinder toben herum, Muttern träumt und Vatern sitzt fasziniert vor der Glotze und guckt sich Bären in Kanada an. Der Ton ist total fertig, genauso das Bild, aber das stört den hartgesottenen Indonesier kaum.

Oh, ich habe heute noch das große Abenteuer vergessen aufzuschreiben. Wir haben in einem winzigen Dorf halt gemacht um etwas zu trinken. Alles war ruhig, als wir kamen. Doch sobald wir vor dem Laden saßen und tranken, scharrten sich ca. 30 Leute um uns und starrten uns an. Es hat nur noch gefehlt, daß sie uns in einen Käfig gesperrt hätten und Eintritt genommen hätten. Äußerst unangenehme Situation. Tapfer haben wir eine viertel Stunde durchgehalten und eine von diesen süßen Zigaretten geraucht. An diesen Zigaretten raucht man Ewigkeiten...