Mittwoch, 25. März 1998

die Hölle riecht nach Schwefel




Irgendwann gegen Mittag verließen wir die Subandis. Obwohl wir nur 5 Tage dort waren, fiel mir der Abschied schwer. Ich fühlte mich so zu Hause dort.

Bewundernswert war mal wieder das System des öffentlichen Verkehrs. Wir saßen ca. 5 Min. auf Subandis Veranda, da kam schon der Bus und wartete darauf, daß wir uns verabschieden. In Sungai Penuh fing dann der Streß an. Der Bus nach Bengkulu war schon weg, der nächste fuhr erst morgen. Köm kam auf die Superidee nach Tapan zu fahren, alles war besser, als noch eine Nacht in Sungai Penuh zu bleiben. Irgendwann so gegen 19 Uhr wurden wir in Tapan rausgeschmissen. Die Leute dort versprachen uns, noch einen Bus nach Bengkulu. Wir genehmigten uns ein Bier und wollten in Ruhe die Stunde warten, als plötzlich die Leute im Lokal aufsprangen und riefen, der Bus sei da. Köm kippte sein Bier in sich rein, ich versuchte unser Bier zu bezahlen, während Köm hinter dem Typ herrannte, der unseren 20.000 Rp-Schein hatte. Alles lief irgendwie glatt und wir saßen in einem total ramponierten Bus, der mit Kokosnüssen und sonstigem Kram vollgepackt war. Wir quetschten uns auf einen Zweiersitz auf dem einer noch nicht mal genug Platz hatte und versuchten bei dem ganzen Geschaukel mit möglichst wenigen blauen Flecken davonzukommen. Köm der Anfangs behauptete, er könne in Bussen nicht schlafen, hat selbst auf der übelsten Strecke, wo schon alle hartgesottenen Indonesier aufwachten, geschlafen wie ein Baby.

Ich konnte nur deshalb so gut pennen, weil ich immer 20cm über dem Sitz schwebte, durch die kilometertiefen Schlaglöcher. Als wir dann anhielten, bin ich aufgewacht. Völlig verschwitzt wie immer und nölig wie immer. Irgendwie ging die Fahrt rum. Am besten war die Musik im Bus. Boxen nur hinten, also voll aufgerissen, damit der Fahrer auch was mitkriegt. Erst hat mich der Indo-Pop genervt, aber nach der Zeit fand ichs gut und wollte den Bandnamen rauskriegen. Auf die Frage: "Anda tahu nama di musik?" kam die treffende Antwort: "Ja, das heißt Musik!" Toll. Aber als sie dann wußten, was ich wollte, wußten sie´s nicht. Den Namen. Der Musik. Schade.

Morgens ging die Sonne auf, wie überall in diesem seltsamen Land. Köm saß neben dem Fahrer und war nur noch müde. In Bengkulu angekommen sollten wir dann eine Stunde auf den Bus nach Curup warten. Wir setzten uns zum warten hin. Endlich sitzen... Meine Hose berührte grade den Stuhl und mein Arsch hing noch in der Luft, da kam auch schon der Minibus. Kostenlose Stadtrundfahrt, um noch Leute aufzusammeln und dann wieder in die Berge. Die Reisfelder sahen im Morgenlicht total genial aus. Silke razzte gleich wieder ein und fiel gegen mich, um mich vom Sitz zu stoßen. In Curup haben wir uns die letzte Absteige (Gitterfenster in der Decke, durch die einem bestimmt die Hühner ins Bett scheißen) angeguckt. Sriwijaya. Das erste Haus am Platze.

Nach kurzer Suche sind wir auf´s Diora Gite gestoßen. 15.000 weil wir zu platt zum handeln waren.

MERKE:
Asch-hadu-Allah. Illah ha illawa. Wa-asch ha du an-na. Muham-mad da ro sulullah.
Kein Gott außer Allah. Und Mohammed is leader in the world.

Kontaktlinsen sind hier völlig unbekannt! Die Leute im Bus nach Bengkulu und der Typ (Abdoel), den wir in Curup noch kennengelernt haben, waren völlig erstaunt, als ich meine Linsen rausnahm.

Abdoel kam auf uns zu, schleppte uns mit nach sich in die Butze am Markt rein. Er gab uns Pisang goreng (Banane gebraten) und erzählte uns seine Lebensgeschichte. Angeblich lernt er erst seit 3 Monaten englisch, aber er ist echt gut. Aber 1994 hat er von 2 Deutschen eine Zeitschrift (National Geographic) geschickt gekriegt. Auf dem Brief stand: "To practise your English" Vielleicht meint er ja doch 3 Jahre... Naja, er dirigierte uns durch die halbe Stadt, und alle seine Verwandten wollten uns mit Essen vollstopfen. Abends landeten wir dann in unserem Hotel und er erzählte uns, daß die Muslimreligion doch das einzig Wahre ist. Ab da wurde es schon ziemlich nervig mit ihm, aber vorher war´s ganz nett. Wir versuchten ihm klarzumachen, daß alle Religionen von sich behaupten, das Größte zu sein. Er kapierte nicht was wir wollten.


Skizze der Treppe in die Wolken
Morgens am gleichen Tag sind wir früh aufgestanden um uns den Bukit Kaba Vulkan raufzuquälen. Nach diversen Bemos, Lastwagen und Fußkilometern hatten wir's geschafft, die Baustelle Bukit-Kaba-Touri-Aussichtspunkt zu erreichen. Alles war voll von Wolken. Die Treppe zum Gipfel bzw. Kraterrand sah ungefähr so aus:

So stellt man es sich doch vor, wenn man in den Himmel kommt. Nur, daß oben keine Bauarbeiter sind, die grade eine neue Brüstung aus Beton bauen, damit man nicht in die brodelnde Lava oder das Feuer der Hölle fällt.

Leider ließ sich das Fegefeuer nicht sehen. Ich probierte es mit umrunden des Kraterrandes. Aber durch die Sichtweite von ca. 20-30m konnte ich nicht wissen, wie lange es dauert. Nach ca. 15-20 Minuten hörte ich die Arbeiter immer noch sehr nah und kehrte um. Die Arbeiter gefragt, kam heraus, ca. 2km sind´s drumherum. Waktu karet hin und jalan karet her, es ist zu weit, bei der Strecke. Nix gesehen, außer den senkrechten Rand in Land ohne Wiederkehr. Bei Wolken-Windstärke 100 direkt am Abgrund zu stehen, ist schon den Aufstieg wert. Außerdem habe ich diese völlig verbrannten Bäume drum herum gesehen, die den letzen Vulkanausbruch als Gerippe überlebt haben. Und nach Schwefel hat´s gestunken wie nur was. Oder man hat für die Touris faule Eier an strategisch wichtigen Plätzen deponiert. Wer weiß es? Wer weiß es? Buler? 42!

Am Freitag (27.3.?) mußten wir nach Bengkulu, weil kein Geld mehr. Der Minibus-Fahrer war eine lahme Sau und am Busterminal wollten sie uns 3 x 3.000 (3 x 60 Pfennig) abknöpfen, weil unsere Rucksäcke ja einen Sitzplatz mehr belegten. Um 60 Pfennig zu sparen, hatten wir also unsere Rucksäcke auf den Knien. Die Fahrt war lang und scheiße. Nach 3½ Wochen weiß man, was 3.000 Rp Wert sind in Indonesien.

Wir ließen uns dann vom nächsten bemo zum Ragil Kuning bringen, wo wir leider bis Montag bleiben müssen, weil am Samstag und Sonntag keine Wechselkurse bekannt sind, und wir keine Kohle kriegen. Aber das Ragil Kuning Homestay ist echt sauber und schön. Würde ich sogar meiner Mutter zumuten, und das heißt schon was, hier in Indonesien. Und das für 25.000 (4,95 DM) pro Nacht mit Frühstück und Tea time!

Der Hausherr ist echt nett, aber voll der Pascha. Behandelt seine Angestellten echt von oben herab.
Wir schwitzen uns grade zu Tode. Draußen brennt die Luft.