Dienstag, 14. April 1998

Gamelan Chaos




Mal wieder ging ein ganzer Vormittag drauf beim Geld besorgen. Die Raten werden immer mieser! Abends dachten wir, wir müßten noch etwas touristisches, kulturell anspruchsvolles tun. Also sind wir Abends in ein Schattentheater gegangen. Eine völlig durchgeknallte Vorstellung stand uns bevor. Es waren nur sehr wenige Zuschauer zugegen, die im Lauf der Zeit immer weniger wurden. Die Gamelanmusik, die traditionell zum Theater gespielt wird, ist von sich aus schon total durchgeknallt. Ein europäisches Ohr vermag kaum ein System, eine Struktur vernehmen. Alles hämmert gleichzeitig auf seinen Gongs, Xylophonen und sonstigem rum. Trotzdem vermögen die meist 16 Leute Stimmungen prima darzustellen.


Skizze vom Gamelan Orchester
Man konnte die Vorstellung von vor und von hinterm Schirm bewundern. Zuerst saßen wir davor und irgendwann befiel mich diese Müdigkeit, die mich immer dann heimsucht, wenn ich passiv Unterhaltung erfahre, z.B. Kino, Fernsehen. Als ich schon zig-Mal eingepennt war, wechselten wir zur Seite hinter dem Schirm, auf der man auch das Gamelan-Orchester beobachten kann.

Irgendwann merkten wir, daß die ganze Truppe total gelangweilt war und als sie dann anfingen Witze zu reißen und lauthals darüber lachten (jung + alt, mann + frau), wurde es interessanter. Der Puppenspieler (Dalang) lachte mehrmals sogar ins Mikro. Wir amüsierten uns köstlich!

Ein Gamelanspieler entfernte sich. Als er wiederkam, setzte er sich hin, betätigte zweimal seinen Gong und die Musik änderte sich abrupt. Timing oder "Improvisation" oder haben alle nur auf sein Zeichen gewartet, bis er mit pissen fertig war?
Zum Schluß sah man schon, daß alle Akteure einfach nur noch abhauen wollten. Während des Stücks bereiteten sie sich vor zu gehen und einer stand schon mit einem Bein, machte seinen letzten Ton und ging. Die anderen applaudierten sofort, wohl als Zeichen, daß wir jetzt zu applaudieren haben. Innerhalb von 10 Sekunden waren sie verschwunden.