Donnerstag, 17. Januar 2013

Candidasa und Amed

Sonntag, 25. November 2012

Nachdem ich endlich meinen Reisepass mit verlängertem Visum dem staatlichen Bürokratie-Dschungel entreißen konnte, geht die Baliumrundung weiter. Weiter nach Candidasa.

unterwegs - die sind auf einer anderen Reise

bei einer Radiostation - wegen Geocaching :)

Frangipaniblüte

Candidasa: Ein Touri-Ort mit ähnlichen Nichtaktivitäten wie in Sanur. Aber ich halte es mal wieder fast eine Woche dort aus. Mit dem Moped ist man mobil und kann die Umgebung unsicher machen. Der Blaue - das Moped - und ich (und Roat) haben jetzt schon 1000 km zurückgelegt. Wir erfreuen uns bester Gesundheit.

Pond in Candidasa

Am Strand - dicke Mauern als Wellenbrecher verhindern, dass mehr und mehr Land im Meer versinkt

Plantage um die Ecke

wann genau spielen die denn jetzt?

Ein Ausflug zum Königspalast Taman Ujung stellt sich als ziemlich lohnenswert heraus. Eine superaufgeräumte Anlage mit einem Häuschen in einem See und ein schöner Garten. Man kann auch ein paar Treppen hinauflatschen und bekommt einen coolen Ausblick.

Um eine noch bessere Aussicht zu bekommen, schaue ich unverdächtig nach links, rechts und hinten, ob die Luft rein ist und klettere durch den Busch eine Böschung hoch. Oben angekommen - durchgeschwitzt und eingesaut -, merke ich, dass ich die Anlage verlassen habe und auf einem öffentlich erreichbaren Parkplatz stehe. Über ein paar Zäune kletternd gelange ich wieder hinein, ohne nochmal Eintritt zahlen zu müssen. Bzw. ohne die ganze Anlage zu umrunden, um durch den Haupteingang wieder reinzugehen.

zum Haus im See

Blick von oben

Königskinder

nochmal von oben

Reliefkunst am verfallenen Friedhof

ein Wächter von vielen

Pfau

Reisfelder in der Anlage

Wasserbüffel

das Haus im See

Danach fahre ich noch ein bisschen mit dem Moped rum und gelange auf eine Straße, die immer weiter und weiter einen Berg (Gunung Seraya) hinaufführt. Genauer gesagt: ein System von Bergen, die einen riesigen Krater umgeben. Es geht auf guten und schlechten Straßen steil bergauf durch Dörfer und Felder, Wald und Wiesen. Es macht einfach nur Bohne, das Moped da hinaufzuquälen! Die Karre ist aber auch nicht totzukriegen.

Am Ende der Straße angelangt, bin ich auf 670 Metern Höhe angekommen. Ich schaue mal interessehalber in mein Geocaching-Programm und siehe da: ganz oben (1175 Meter oder so) ist ein Geocache versteckt. Ich quäle mich auf Badelatschen den Berg rauf um den Cache zu heben. Ein absulut genialer, aber hyperanstrengender Ausflug! Man muss sich halt sein Glück erwandern. Ich merke mal wieder, dass meine Geduld grenzenlos ist. Aber seht selbst:

auf Geocaching-Wahnsinnstour

Abendsonne, Gunung Seraya

In der Nähe von Candidasa ist auch noch der Pantai Putih (White Sand Beach). Dort fahre ich mehrmals hin um zu schnorcheln und mich mit Gusti, einem indonesischen Restaurantbesitzer zu unterhalten. Er hat eine lange Matte und ist irgendwie anders als die Normalos. Außerdem hat er eine total ausgesackte Gesichtspartie mit einem riesigen, schwarzen Muttermal darauf. Ein fisseliger Bart kaschiert das Ungemach mehr schlecht als recht. Voll übel, echt kein Geschenk.



wer schwimmt denn da?

Quallen in Formationsflug

Koralle und kleine Blaue


Er erzählt mir unter anderem, dass es ein total teueres Vergnügen ist, ein Hindu auf Bali zu sein. Ständig muss man Opfergaben bringen und bei größeren Veranstaltungen, wie Hochzeiten und Geburtstagen zum Beispiel, werden unendlich viel Dekoration, Essen und gute Kleidung sowie Geschenke aufgefahren. Und ständig gibt es religiöse Festtage, die mit dem ultrakomplizierten balinesischen Kalender berechnet werden. Wer da durchsteigt: Hochachtung! Diese ganzen Unkosten bringen die Leute sogar dazu, zum Islam, Christentum oder zum Buddhismus zu konvertieren. Diese Glaubensrichtungen sind einfach billiger im Werben ums Afterlife.


mächtige Banane

heute gibt's mal Kartonpizza und Star Trek

Amed - Samstag, 1. Dezember 2012

Es geht weiter die Küstenstraße entlang, von Candidasa nach Amed. Das ist dort, wo Roat und ich vor vier Wochen das Moped gemietet haben, als wir von Gili Trawangan kamen. Die Küstenstraße ist ziemlich gut in Schuss und es verirrt sich aber kein Tourist hierher. Es ist mal wieder so, als ob die Leute noch nie einen West-Menschen gesehen hätten.

durch Dörfer ...

... an der Küste entlang ...

... und Stränden voller Boote

"Hello Mister!" Jeder will meine Aufmerksamkeit. Ich gebe aber Gas, denn diese oberflächlichen Unterhaltungen in deren übelstem englisch oder meinem übelsten indonesisch führen leider zu nix. Ich kenne das ja auch schon zur Genüge. Nett gemeint, aber die Landschaft ist da doch gerade interessanter und ich bin auch nicht in der Stimmung, so wie sonst meistens.

In Amed angekommen finde ich eine total geniale Bleibe in Banyuwangi mit Meerblick genau nach Osten für den Sonnenaufgang. Ich kann sogar im Bett bleiben, um den Sonnenaufgang durch die ganzen Fenster und Glastüren zu erleben, wenn ich will. Will ich aber nicht.

morgens um 6:00 auf meiner Terasse

geht schon

Amed besteht aus zig Buchten, meist mit steinigem Strand. Aber in verdammt nochmal jeder Bucht kann man super schnorcheln. Ich mache auch noch einen Ausflug nach Tulamben im Norden. Dort kann man Wracktauchen - was echt großartig war. Riesige Schwärme und kleine Gruppen. Und ein richtig großer Barrakuda stand die ganze Zeit an immer der gleichen Stelle herum. Zwar nur mit Schnorchelausrüstung, aber das reicht eigentlich. Und direkt vor meiner Tür liegt auch ein kleines Wrack im Wasser rum.

Fisch

an meinem Hauswrack

ein bunter

Krabbenfänger

in Tulamben

Nach einem längeren Gespräch mit den Guesthaus-Eigentümern (ein älterer Kalifornier und eine Balinesin mit Hang zum Tuschkasten), erzählen sie mir, dass am 3. Dezember eine Leichenverbrennung am Strand stattfindet. Jeder darf hin und Fotos machen sei sogar gern gesehen. Ich lasse mir meinen Sarong korrekt binden und ziehe mein letztes gutes Hemd an. Zum feuern wird kein Holz verwendet, um Kahlschlag zu verhindern; stattdessen hängt ein Benzinkanister im Baum und ein Schlauch führt zu einer Art Flammenwerfer. Es riecht nach Barbeque - ein mittelschwerer Geruch nach Schweinefleisch. Überall fliegen kleine Ascheflocken herum.

Prozession zum Strand


Video: Kremation

Unshockable-Boy

Angst bei Barbeque-Geruch?

always smiling

Um einen Geocache zu erreichen, will ich zu einer kleinen Insel rüberschwimmen. Die Strömungen sind aber so tierisch stark, dass ich mich auf einen Felsen retten muss. Da kommt schon die nächste Welle und schleift mich einen Meter über den muschelbewehrten, kantigen Stein. Das Ergebnis ist eine zerrissene Badehose und wiedergewonnener Respekt vor den Urgewalten. Ich lasse das lieber sein und paddle zum Strand zurück. Da es hier keine vernünftigen Badehosen gibt, greife ich zu Nadel und Faden. Es ist noch ein Stück Sarong aus Indien übrig. Die Schrammen am Hintern lasse ich aber lieber ohne medizinischen Eingriff verheilen.

der Eismann - Ich habe die 8 Kinder, die in der Umgebung waren, eingeladen. Die haben natürlich allen anderen Bescheid gesagt, und am Ende gab es 23 Eis. Dafür kann man schonmal 1,70€ springen lassen :)

Aua


mit vereinten Kräften!

Die vier Tage in Amed gehen rasante schnell vorüber. Ich habe aber eine Bootsfahrt nach Lombok gebucht und muss deshalb weiter. Leider, denn Amed ist meine neue Bali-Lieblingsgegend geworden. Am Abreisemorgen übergebe ich noch schnell das Moped an den Besitzer. Ich hatte ihn zufällig zwei Tage vorher getroffen und mich gut mit ihm unterhalten. Er guckt weder nach Schrammen oder Tankanzeige - voller Vertrauen. Dafür bringt er mich aber netterweise noch schnell zum Hafen - voller Hilfsbereitschaft.

Fischladung am Hafen

bye-bye Bali - vorerst