Samstag, 16. März 2013

Ende usw.

Ende - Dienstag, 18. Dezember 2013

Ende ist eine Stadt auf Flores. Da ich mit der Fähre zurück nach Bali will - weil, da muss man ja hin wegen dem internationalen Flughafen -, muss ich wohl dahin. Denn am 27. geht mein Flieger nach Neuseeland. Also Ende. In der Mitte von Flores, aber am Meer. Ich könnte auch fliegen, aber eine Seefahrt, die ist lustig. 44 Stunden soll die Fahrt dauern.

rauchender Vulkan unterwegs

the kings of transportation

End-lich! Ich fahre mal auf dem Dach mit!

Ende von Ferne
Ende ist eigentlich nicht der Rede Wert, würde ich sagen. Aber die Menschen schon. Die Freundlichkeit und Fröhlichkeit war jetzt nochmal drei Level höher als in ... immer diese Superlative ... als in Überallwoichschonwar!

Ich bin ein bisschen von der Hauptstraße weg und habe den kleinen Flughafen umrundet, um mir mal den Fährhafen anzusehen. Alle grüßen, die Kids haben Spaß und es ist grün. Palmen, Gras, Bäume im Überfluss mitten in der Stadt. Das Viertel (Flughafen halt) ist eher ärmlich, aber die Leute sehen aus, als wenn ihnen die Sonne aus dem Hintern scheint.

Trash auf dem Markt


Kids kommen aufgeregt angestratzt. Ein Tourist!

Ich schlendere so die Straße entlang - zurücklächelnd, zurückgrüßend -, da knallt es plötzlich tierisch laut von links und eine Rauchfontaine schießt quer über die Straße! Dann das Gleiche etwas leiser nochmal von rechts und wieder von links! Was ist hier los?? Krieg in Ende?? Der Endkrieg!?

Ich muss ganz schön blöd ausgesehen haben, Kinder lachen sich schlapp. Sie spielen wohl Krieg. Mit einem einfachen Bambusrohr, einem Lappen und einem brennenden Holz feuern sie immer wieder ihre Kanone ab. Wie das funktioniert ... keine Ahnung. Vielleicht entzünden sie den Rauch. In Deutschland wäre schon längst die Bullerei im Anmarsch.


Bambuskanone
was macht das Boot mitten in der Stadt?
grüüüüüüüüün
Und immer schön posen: die Pommesgabel
Volleyball im Grünen
Trikots
Am Hafen spielten dann zig Kinder im Wasser. "Mister! Mister! Photo!" Alle wollen fotografiert werden. Sie freuen sich tierisch, auch wenn ich gar nicht abdrücke. Aber das muss man ihnen ja nicht erzählen :)
schnell zum Sprungturm!
uuuund ... ab!
Mister! Yeaaahh!
am Hafen
am Hafen
Fast alle, die sich draußen rumtreiben, treiben Sport. Baden, Volleyball, Fußball
"Mach ein Foto von mir!!"
Am nächsten Tag warte ich am Hafen auf die Fähre. Sie hat drei oder vier Stunden Verspätung. Es zieht sich ...

Eis-Glibber-Suppe-Verkäufer
warten
Ob es hier auch sowas wie ein HWS-Syndrom gibt?

Irgendwann verkrieche ich mich in den Schatten eines LKWs. Die Mittagshitze ist einfach zu heftig. Ein paar Indos kommen hinzu und wir unterhalten uns radebrechend. Es hilft, die endlose Warterei zu überbrücken.

Meine Mütze!
Als dann endlich die Fähre kommt, ist Aufbruchstimmung. Plötzlich merkt man, wie viele Leute eigentlich hier am Hafen sind. Es ist irre. Hunderte, vielleicht sogar tausend Leute strömen auf die Fähre zu und drängeln was das Zeug hält.

Gewusel
Erste Klasse. Echt Klasse!

Nachdem ich mein Zimmerchen bezogen habe - dafür kann man schonmal eine Million ausgeben -, mache ich einen Rundgang auf der Fähre. Wieder wird man von allen Seiten belagert und angequatscht. "Setzt dich zu uns!" "Nee, zu uns!" - "Nein, ich will doch noch weiter!"

Fährenfotosessions
Küstenlandschaft - phänomenal
Osvhie, Inneke
Umbu und Osvhie
Kampfhahn

Die erste Klasse ist echt gut. Zwar ein Doppelzimmer, aber während der zweitägigen Fahrt hatte ich es fast komplett für mich allein. Ari legt sich für ein paar Stunden ins andere Bett und relaxt. Er ist Biologie-Professor und macht gerade eine Exkursion nach Sumba. Was ich so von der dritten Klasse (Economy) gesehen habe, war ziemlich übel. Falls man ein Bett abkriegt, liegt man in 10er-Reihen nebeneinander und hat keine Möglichkeit, sein Gepäck wegzuschließen. Und da das Boot natürlich hoffnungslos überbucht ist, schlafen / essen / wohnen die meisten Leute an Deck. Zum Glück hat das Wetter einigermaßen mitgespielt. Und natürlich schmeißen die Leute ihren Dreck einfach in die Ecke, wo sie gerade sind. Plastikflaschen, Plastikbesteck, Plastikbehälter. Eigentlich könnten sie es auch gleich über Bord werfen, aber das erledigt dann morgens die Reinigungstruppe. Alles wird zusammengefegt, in riesige Säcke verpackt und dann über Bord geschmissen. Echt der totale Ökowahnsinn. Aber zum Glück kommt das Meiste von dem ganzen Müll auch wieder in Indonesien an Land und nicht woanders. Da muss man sich nicht über vermüllte Strände wundern. Problem selbstgemacht.

Speisesaal für die Erst-Klässler

Als ich dann abends nochmal eine Runde drehe, komme ich kaum ins Bett. Erst mit Osvhie, Inneke und Rambu labern. Als wir nach zwei Stunden oder so Facebook-Kontakte austauschen, sind sie total aus dem Häuschen. Die freuen sich, als hätten sie gerade im Lotto gewonnen. Dann mit Hinz und Kunz labern. Dann mit einem Grafikdesigner und Atheist aus einem Walfang-Ort (einer von zwei letzten auf Flores - traditioneller Walfang). Dann mit zwei Moslem-Propheten. Danach muss ich aber wirklich in die Falle, die Typen waren zwar irgendwie drollig - besonders der mit dem Bart, der hat immer wie die Inder mit dem Kopf gewackelt - aber ihre endlose Litanei wird mir dann doch zu blöd. "Weißt du wieviele Fische im Meer sind? Nur Allah weiß es! Das ist der Beweis, dass er allmächtig ist." "Kannst du die Sonne aufgehen lassen? Nur Allah ..." und so weiter und so fort und alles nochmal von vorne. Ich nicke geduldig und versuche immer wieder das Thema zu wechseln, bin einfach interessiert, was diese Typen sonst noch so treiben und denken. Das klappt zwar immer wieder, aber irgendwann beginnt die Endlosschleife von vorne. Der Grafikdesigner-Atheist kann auch nur noch weghören.

Prophets
Über Nacht gehen alle Grafikdesigner (einer), Osvhie, Umbu, Rambu und wie sie alle heißen in Sumba von Bord. Was sie so von Sumba erzählt haben, hat mich tierisch neugierig gemacht. Außerdem komme ich noch mit zwei Touris ins Gespräch, die dort zugestiegen sind. Super Strände, alles eher untouristisch aber nicht kompliziert und ab und an springt einem ein halbnackter Jäger aus dem Busch vors Motorrad. Rechts ein Speer in der Hand und links ein Handy am Ohr.

Frischhaltebox!
Morgens mache ich nochmal eine kurze Runde und prompt gibt es Delphine zu sehen. Auch die Indonieser sind ganz begeistert davon. Am Heck der Fähre entdecke ich ein paar Jungs mit einer abgegriffenen Ukulele und improvisiertem Bongo-Instrument. Wir quetschen uns Gegenseitig ein bisschen aus und zu Guter Letzt spielen sie noch einen Song. Wirklich gut!

 Uku-Band

Den Großteil des Tages verkrieche ich mich aber in meiner Kajüte. Das ganze Gelaber ist mir dann doch auf die Dauer zu viel und ich will meine Ruhe haben.

Als es am Nachmittag auf den Hafen von Bima zugeht, springt doch glatt ein Manta-Rochen aus dem Wasser und legt einen halben Salto mit sattem Rückenklatscher hin. Ich hätte nie erwartet, dass diese doch eher behäbigen Tiere die Geschwindigkeit aufbringen können, um sich selbst aus dem Wasser zu katapultieren. Vielleicht war ja noch ein Hai im Spiel.

Was sich dann am Hafen von Bima abspielt, lässt sich kaum mit Worten beschreiben. Während Fahrgäste aussteigen, drängeln andere schon die Treppen hoch. Gestresste Sicherheitsleute in Uniform versuchen sie zwar, davon abzuhalten, aber einige schaffen es trotzdem. Sie drängeln sich durch, lenken die Uniformierten ab oder klettern einfach hinter ihnen am wackeligen Treppengestänge hoch. Die Aussicht auf eins dieser Betten in 10er-Reihen ist einfach zu verlockend. Die Verbeamteten greifen auch schonmal hart durch und prügeln dann einfach auf die Leute ein. Und die Jungs neben mir an der Reeling amüsieren sich köstlich.

Warten bis die Fähre angelegt hat
Gedränge
am Abend
Holzklasse
Der nächste Morgen beginnt mit der Suche nach Kaffee und die Propheten wollen mich in ihren Gebetsraum einladen. Nee Jungs, ich will nicht. Als sie wieder anfangen, sich verbal im Kreis zu drehen, mache ich schnell die Biege und treffe auf einen total abgerissenen Russen. Er ist schon seit vier Tagen an Bord und fährt Economy-Class. "Wir konnten uns seit vier Tagen nicht waschen! Es ist die Hölle! Sogar die Duschen sind komplett zugeschissen!!!" Ich verspreche ihm, dass er und seine Freundin bei mir duschen können, aber ich sehe ihn nie wieder. Ein Perlenschmuggler erzählt mir noch ganz offen von seinen illegalen Geschäften, zeigt mir ein paar schwarze Perlen aus Sumba und ich gehe Stunden später nach einem Fährstopp auf Lombok dann in Bali von Bord.