Sonntag, 4. November 2012

Tag 100!

Sonntag, 4. November 2012

Heute ist der einhundertste Tag meiner Reise. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen ein Resumé zu ziehen. Aber was kann ich noch anderes schreiben, als das was ich eh schon geschrieben habe? Mal sehen ...

Wir - mein Kumpel Roat ist seit Montag dabei, er hat drei Wochen - sind jetzt auf Gili Trawangan bei Lombok. Aber dazu später, in einem anderen Lomblog-Eintrach. Ich komme derzeit auch nicht groß dazu den Blog zu machen. Wohl ein Nebeneffekt, dass ich jetzt Reisebegleitung habe. Oder wie Siggi und Raner sagen würden: Raasebeglaatung.

Ich hatte mir ursprünglich vorgenommen, zumindest jeden Monat was neues zu lernen: Surfen, lokal Kochen, mich Weiterbilden zum Beispiel. Und was ist dabei rausgekommen? Ich kann jetzt neuerdings ein mageres bisschen auf den Fingern pfeifen und weiß, worauf es beim Schachspielen ankommt. Auch egal.

Als totaler Kopfmensch aufgewachsen, habe ich aber auch bemerkt, dass das nicht mehr ganz so ist. Planen, planen, planen und nur an die Zukunft denken, das geht mir zur Zeit total ab. Ein gutes Gefühl. Ich gehe zwar immer noch total scheuklappig durch die Gegend, aber vielleicht kriege ich ja auch noch raus, wie man mit offenen Augen rumläuft.

zwei Passanten

Außerdem habe ich gemerkt, dass es sowas wie eine Connection zu einem Ort gibt. Leute, Umgebung und so. Das stellt sich meist nach drei bis vier Tagen ein. Die Leute der näheren Umgebung kennen einen und zeigen mehr Interesse als für einen Durchgangstouristen, der kürzer bleibt. Die Reizüberflutung stellt sich ein, beziehungsweise ab und man bemerkt Dinge, die man sonst gerne mal übersieht - maaßtens Klaanichkaaten. Es ist zum Beispiel faszinierend, mit welch einfachen Mitteln hier Dinge zustande gebracht werden. Bei uns gibt es für alles ein Gerät, aber wer braucht schon wirklich eine Salatschleuder oder eine Knoblauchpresse? Ein Baugerüst aus Bambus und ein paar guten Knoten erfüllt den gleichen Zweck wie eins aus Stahlrohren, Schellen und Schrauben.

Natürlich ist der Reisealltag nicht mit einem Alltag in Schland vergleichbar. Man lebt so in den Tag hinein und wenn man mal was nicht unternimmt, was man sich so vorgenommen hatte, dann ist das eben so. Zeit spielt einfach keine Rolle. Alle Zwänge, sind nur noch die, die man sich selbst auferlegt. Man ist eben Chef der Sache. Und ein Plan ist nur ein Plan.

Was er heute kann besorgen,
Verschiebt der Touri gern auf morgen.
Und nach ein paar Tagen dann,
Macht er einen neuen Plan.

Eine Sache, die ich schon einigermaßen verinnerlicht hatte, wurde mir bewusst, als ich mit Wenzel am Om Beach über "Warten auf Godot" geredet habe. "Hast du irgendwas kapiert davon?" fragte ich. "Gibt es da was zu kapieren? Lass es einfach auf dich wirken!" war seine Antwort. Genau! Man muss nicht alles hinterfragen. Rituale, die Regeln beim Hahnenkampf, warum alle freundlich Grüßen und so weiter. Auch wenn man es sich erklären lässt, kriegt man trotzdem keinen Schimmer davon, was wirklich abläuft, was die Leute dazu treibt und was sie dabei fühlen. Unsere Kulturen sind so verschieden, dass man es nicht wirklich durchdringen kann. Jegliches Verhalten wird ab der Kindheit der Leute geprägt, und die hat man eben selbst nicht miterlebt. Lern jetzt französisch und versuch dann wirklich gute Prosa zu schreiben... Es ist nahezu unmöglich, es sei denn du hast Jahrzentelang vor Ort gelebt und bist auch noch ein Genie. Die Regeln der Sprache sind klar, aber das was sie ausmacht, steht in keinem Buch.

Das soll nicht heißen, dass man nicht fragen soll, was abgeht. Aber die Erwartung, etwas en detail zu verstehen, sollte man sich von vornherein abschminken. Und du bist du, und die Wirkung auf dich, das ist das was zählt.

So, ich habe fertig. Auf die nächsten 100!