Samstag, 13. Oktober 2012

Gokarna



seit Freitag, 28. September 2012

Nach 17-stündiger Zugfahrt mit besoffenen Indern, kleinen Küchenschaben und ein wenig rumpeligem Schlaf, kam ich zu unchristlicher Uhrzeit - nämlich 3:30 morgens - auf dem Bahnhof von Kumta an. Ein Autorickschafahrer (Tuk-Tuk) klemmte sich das Bündel Schlafentzug, welches ich war, unter den Arm und legte es auf dem Rücksitz ab. Gokarna, bzw. Om Beach, war ja gleich um die Ecke, dachte ich. Je nach Zoomstufe zumindest.

Gedraengel im Zug
Die 35 Kilometer von Kumta bis nach Gokarna haben dann aber fast zwei Stunden gedauert. Die Straße ist sowas von dermaßen hinüber und die Rickscha war in keinem besseren Zustand... Bei der kleinsten Steigung nudelte der Motor sich im ersten Gang die ölige Seele aus dem Leib und die Schlaglöcher mussten in Sekundenbruchteilen entdeckt und umrundet werden, da die Batterie kaputt war und dadurch das Licht des Scheinwerfers in direkter Abhängigkeit zur Motordrehzahl stand. Mann, das war echt ein Haufen Altmetall, diese Gehhilfe.

Gokarna Beach weit weg
Den Weg runter zum Om Beach verweigerte der Fahrer dann, denn seine ausgelutschten Bremsen würden das nicht mitmachen. Das ist diese Art von Ansage, bei der man lieber keine Überredungskünste anwendet, sondern sich dem Schicksal hingibt. Also hieß es umsteigen, und plötzlich war alles ganz gemütlich, gefedert, rasant und mit Musik. Ich hatte echt die schlimmste Karre im Staate Karnataka erwischt. Und danach die wohl allerbeste.

Sonnenuntergang

Sonnenaufgang

Nun bin ich seit zwei Wochen hier am Om Beach und habe alle meine Indienpläne über den Haufen geworfen. Das Land ist zu groß, ich kapituliere genüsslich vor vierstelligen Kilometerzahlen und zweistelligen Durchschnittsgeschwindigkeiten. Meine Pläne waren wohl doch eine Terz zu ambitioniert für zwei Monate. Nun kann man zwei Dinge machen: a) neu planen (ein Plan ist ein Plan, und deshalb ist das möglich) oder b) den Plan wegschmeißen und sich auf den Moment einlassen. Ich entschied mich für das mit dem Moment.

Badezimmer?

Stefan aus Ingolstadt ist jetzt schon seit sechs Wochen hier am Om Beach und ist auch nicht mehr wegzubekommen. Er ist zum Einen der Guru hier, weil er alles weiß, was es hier zu wissen gibt und zum Anderen ein wahrer Großmeister im Verschieben von Weiterreiseterminen. Am gleichen Tag wie ich, kam Wenzel aus Liechtenstein hier an, und wir drei hängen jeden Tag zusammen und äußerst gekonnt ab.

Kuehe am Strand machen Heiligen Stuhl

alter Fischer

Gandhi lebt

Andere Touristen kommen und gehen - Vinod, Marlene, Felix, nochmal Felix, Anna, nochmal Anna, Darren, Abi, Shafal, Michael, Sooraj und wie sie alle geheißen haben mögen. Wir bleiben. Wir sind der Fels in dieser speziellen Brandung, die zu 90 Prozent aus indischen Wochenend-Sauftouristen, Bier- und Vollzeitphilosophen aus Bangalore, deutschen Voluntären, Dauerkiffern und Pillenschmeißern aus Israel und den normalen anderen Touristen in ihren ach-so-indischen Zirkusklamotten, die hier sonst niemand tragen würde, besteht.

Om Beach

Touris

Es gibt hier noch einige Strände drumherum, die man auf Wanderungen erkunden kann. Ab durch den Dschungel und über die Klippen, das macht Bohne! Am Paradise Beach - der dritte linker Hand - stehen die alten Ruinen einer Touristenstadt, die vor zwei Jahren abgerissen wurde. Hier ist man teils ganz alleine, teils kommen andere Touristen um die Ecke.

Half Moon Beach

auf dem Weg zum Paradise Beach

Ruinen am Paradise Beach

Paradise Beach

wir bauen uns unsere eigene Tempelanlage

Vor fünf Tagen, auf einer Wanderung zum Paradise Beach, habe ich hier das erste Mal Delphine gesehen. Seitdem gab es keinen Tag ohne Delphinsichtung. Sie sind zwar weit draußen, aber es ist trotzdem jedes Mal bewegend, sie zu sehen.

seit 23 Jahren am Paradise Beach

durch den Dschungel

Sandformationen

endloooos

Rueckweg

Die meisten Tage verstreichen einfach in totaler Ruhe und dann ist es schon große Action, wenn zuerst ein Fisch vom Himmel fällt, danach ein Inder kotzt, ein anderer Touri zugedröhnt umkippt und dann auch noch zum krönenden Abschluss eine Kuh am Strand in Ohnmacht fällt!

Royal Enfield - Bullet

Natürlich bin ich auch ein bisschen Moped gefahren. Ein Geocache in drei Stunden Entfernung bot sich an, wollte sich aber nicht finden lassen. Dafür gab es einen grandiosen Strand und einen Hindutempel mit gigantischer Shiva-Statue als Trostpflaster.

Mega Shiva

Muscheln

THE beach

Achtung! Religion!

Ganesh Fest

Gokarna selbst, ist die hinduistisch anmutendste Stadt, die ich bisher gesehen habe. Männer mit orangenen Tüchern, Malereien auf der Straße, bunte Häuser, Kühe, Kühe, Kühe. Durch die Stadt zu laufen, ist wirklich ein Erlebnis.

Gokarna City Ride

Gokarna

Gokarna

Gokarna

Gokarna

Gokarna Beach

Gokarna

Gokarna Pond

Mit Abi und Shafal aus Bangalore haben wir das letzte Wochenende mit philosophieren verbracht. Das war genial. Die Leute hier - glaube ich zumindest - kriegen das mit der Muttermilch zum Frühstück, Mittag und Abendessen verabreicht. Als ich noch mit meinen Nicht-Plänen gehadert habe, sagte Abi irgendwann: "Warum willst du das Taj Mahal aufsuchen, wenn du dich hier selbst finden kannst." Wow! Er hat völlig recht. Also bleibe ich da, wo es mir gefällt und lasse mich nicht von selbstgemachtem Reisedruck stressen. Leckomio und zwar blanco!

Felsen am Om Beach

im Moksha

High-Tech im Low-Tech-Pelz

Haeuser

nochmal Kuehe - sie sind ueberall

Und das mit dem selbst finden, klappt auch manchmal ganz gut. Aber besonders genial ist es, wenn man zum Beispiel im Meer rumplanscht und plötzlich merkt, dass man sich wie ein Kind verhält und einfach spielt - ohne Regeln oder was auch immer. Get connected to your inner child.