Sonntag, 19. August 2012

Adam's Peak

Mittwoch, 15. bis Freitag, 17. August 2012

Der Zug von Ella nach Hatton - ich buchte erste Klasse. Erste Klasse ist wie bei uns zweite Klasse, nur mit mehr Beinfreiheit aber total speckiger und abgewrackter Bestuhlung. Der Wagen für die erste Klasse hängt immer hinten am Zug, da er von einem Panoramafenster abgeschlossen wird. Beste Sicht für zahlende Gäste. Fünf Euro und man kann fahren, soweit man will.

Panoramablick 1. Klasse
aus dem Panoramafenster

schöner Bahnhof


Auf der Fahrt stiegen immer mehr Leute zu, aber in der ersten Klasse ist kein Gedrängel. Es gibt nur soviele Tickets wie Sitzplätze da sind. In der zweite Klasse schien es aber anders abzugehen. Immer mehr Leute hingen draußen, bei den Türen, am Zug. Es war völlig überfüllt.



Zeugsverkäufer sind meistens aber ältere Leute

gewunken wird immer gerne

wenn zwei Züge nebeneinander stehenbleiben, dann wird auch schon mal ausgestiegen

Die Fahrt ging unter anderem über Haputale. Dort aus dem Fenster geschaut, war der Blick noch atemberaubender als aus dem Hilltop Guesthouse in Ella. Ich überlegte, einfach auszusteigen - was ich dann aber doch nicht tat. Das war wohl auch besser so, denn bei so einem Ausblick vergisst man irgendwann zu blinzeln. Die Augen schrumpeln zu Rosinen zusammen und es hilft nur noch eine Injektion mit Kochsalzlösung. *pieks*

In Hatton angekommen muss man noch ein bisschen Bus oder Tuk-Tuk fahren, um nach Dalhouse zu kommen. Dort ist der Peak, der Berg der Pilger, der Fordernde. Er heißt auch Siripadaya. Ich traf am Bahnhof in Hatton zwei Spanier, mit denen ich mir ein Tuk-Tuk teilte. Das war wirklich sinnig, denn die Strecke von 38km zog und zog sich. Mit dem Bus plus Umsteigen ist man locker zwei bis drei Stunden unterwegs. Die Spanier waren übrigens in der dritten Klasse mitgefahren: keine Sitzgelegenheiten, nur der blanke Boden. Dafür aber nicht so überfüllt. Muss ich mal ausprobieren.

Fanni, Marti, Icke

unterwegs nach Dalhouse

unterwegs nach Dalhouse

Dalhouse ist ein Kaff aus blechbedachten Hütten mit ein paar Hotels und Guesthouses. Hier ist wirklich der Hund verfrohren. Wenn der Bus hier ankommt, macht er auf dem Hacken kehrt und man bekommt den Eindruck, hier ist die Welt zuende. Auf dem Dorfplatz spielen die Kids und Jugendlichen Cricket, sonst ist hier nix.

Dorfplatz *gähn*

Adam's Peak... Ca. 3 Stunden Aufstieg, man startet Nachts gegen 3:00, wenn man oben pünklich zum Sonnenaufgang ankommen will. Zwei Kanadier haben erzählt, dass sie es am Vortag schonmal versucht haben, wurden aber durch Regen zum Aufgeben gezwungen.

Ich startete um 2:37 und war erst allein unterwegs. Das war eh mein Plan, ich wollte es langsam angehen und auch ein bisschen für mich sein. Es war noch trocken, aber nicht klar. Die Sterne waren nicht zu sehen. Da der Berg ziemlich hoch ist, sollte es klar sein, damit man nicht in den Wolken rumsteht und die Hand vor Augen nicht sieht. Aber das Wetter ändert sich schnell hier, wie ich am Vortag mitgekriegt hatte.

Das Wetter änderte sich wirklich schnell: gegen 2:38 begann es zu nieseln. Man traf auf andere Pilgertouristen. Ich glaube, die Spanier waren schlauer und sind gar nicht erst losgegangen. Der Regen wurde stärker - das wird schon, dachte ich mir. Er wurde stärker und stärker. Ich dachte immer noch: das wird schon! Der Regenschirm arbeitete auf hoher Drehzahl.

es plästert

Es ging über Treppen langsam aber sicher dem sehr steilen Teil des Aufstiegs entgegen, als gegen 3:20 plötzlich der Himmel völlig durchdrehte und es aus Kübeln schütten ließ. Ich stellte mich unter und zwei andere Deutsche kamen kurz nach mir dazu. Wir konnten uns aber nicht unterhalten, weil der Regen so einen Lärm auf dem Blechdach machte. "Where are you from?", "WHAT?", "WHERE ARE YOU FROM?", "GERMANY!", "GUT! DANN KÖNNEN WIR UNS JA AUF DEUTSCH WEITER ANSCHREIEN!"

Wir warteten, schweigend. Die beiden eine 3/4 Stunde, ich mindestens eine. Alleine war es dann ziemlich gruselig. Als ich ein Foto in den Regen abschoss, sah ich eine Gestalt vor mir im Licht des Kamerablitzes stehen! *Schauder* Schnell die Kopflampe angemacht. Puhhh, es war nur ein flacher, hoher Stein mit irgendeiner eingemeißelten Beschriftung. Wie ein Grabstein. Es war 4:30 oder so, als ich das Warten aufgab und auch den Rückzug antrat. Die Treppen hatten sich in der Zwischenzeit in Wasserfälle verwandelt - kaltes, klares Regenwasser. Die kleinen Wasserfälle am Wegesrand waren nun zu lärmenden Sturzbächen geworden und die Bäche zu reißenden Flüssen. Knöcheltiefe Pfützen, die man teilweise nicht umgehen konnte. Alles war in Bewegung.

Ein tiefschwarzes Schweineferkel verirrte sich in den Kegel meiner Kopflampe und flitzte davon - lustig. Zweihundert Meter weiter dann die Mutter. Schwarz und mittelgroß. Ich bekam natürlich Muffensausen und eine Truppe von zehn Franzosen schloss zu mir auf. Irgendwann sind wir zögernd an Mama Sau vorbeigegangen. Es waren keine Wildschweine, aber sehr domestiziert sahen die Teile auch nicht gerade aus.

Gegen 5:30 war ich wieder im Hotel. Die ganze Aktion war eigentlich eine Katastrophe, aber irgendwie hat es trotzdem Böcke gemacht. Die Leute vom Guesthouse haben am Vortag gemeint, man könne nie wissen. Keiner scheint hier das Wetter voraussagen zu können. Aber mich beschlich die Ahnung, dass man hier hingehalten wird, damit man länger in dem Dorf bleibt und mehr Geld hier lässt. Es waren auch ausschließlich Touristen unterwegs den Berg rauf. Keine Einheimischen. Vielleicht hat sich das mit der Pilgerei auch in den letzten Jahren erledigt, oder es wird nur in der Trockenzeit angegangen.

Rest Rooms? So nennt man doch kein Hotel :)

Meine Sachen - Hose, Socken, Schuhe, Longsleve - hängte ich draußen über die Brüstung zum trocknen. Gegen zehn bin ich dann wach geworden und musste feststellen, dass die kleinen Vögel, die am Vorabend noch so nett zwitschernd auf der Brüstung und unter dem Vordach rumgeflattert sind, sich auf meine Klamotten erleichtert hatten. Super!

Affen kletterten in den Bäumen herum und auch im Hotelbereich. Soll ich meine Schuhe lieber in Sicherheit bringen? Ich machte erstmal einen Spaziergang zum White House Guesthouse, dort gab es einen Cache zu heben. Blöderweise hat ein alter Mann, der dort angestellt ist, mir fast sofort verraten, wo der Cache ist.

Den Rest des Tages habe ich herrlich im Bett vertrödelt. Mein Handy hat keinen Empfang und Internet gibt es hier auch nicht. Außerdem ist mein Geld fast alle, also werde ich wohl morgen mit Dollars bezahlen müssen.

19:30 - Der Plan, den Berg heute Nacht nochmal in Angriff zu nehmen, löst sich gerade in einem Regenguss auf... Es schüttet, es kübelt, es eimert.

4:30 - Es gallert immer noch. Ein starker Wind hat sich hinzugesellt.

6:30 - Keine Veränderung. Was soll man hier? Das macht keinen Sinn. Der kleine Wasserfall in 1 km Entfernung, den ich vom Hotelfenster aus sehen kann, gibt alles. Er schwitzt sogar schon. Note to self: Einheimische auf Schwimmhäute überprüfen. Gleich mal raus aus den Federn und Sachen packen. Seltsamerweise trocknen hier die Klamotten deutlich schneller als in Deniyaya. Hat die Luftfeuchtigkeit wirklich einen so hohen Einfluss darauf?

8:00 - der Himmel reißt auf, ich muss nun doch noch hoch!


Baum mit Laterne eingebaut



um die Ecke

Toskana-Feeling

Der Aufstieg waren 3 mühsame Stunden. Irgendwann stand ich in den Wolken, die den Gipfel nun doch noch umhüllten. Das waren jetzt ungefähr 1000 Höhenmeter zu Fuß - stellt euch einfach mal vor, ihr geht zu Fuß ins dreihunderste Stockwerk. Oben angekommen gibt es nicht viel zu sehen. Über die Kuppe hat man quasi einen Tempelkomplex gestülpt, dort ist kein bisschen vom Originalgipfel mehr zu sehen. Zwei junge Almöhis, die nur alle zwei Wochen mal runtergehen wohnen in einer kärglichen Behausung und bieten überteuerten Tee an. Ein Heißgetränk - das war jetzt wirklich nötig.

das isser!


über allen Bergen

ab in die Wolken

Tempelanlage oben

Wer 1x oben war, darf einmal läuten. Beim 2. Mal 2x usw.

Auf dem Rückweg fing es - wie soll es auch anders sein - wieder mal an zu regnen. Und zwar richtig, diesmal auch noch mit Wind von der Seite. Klitschnass kam ich gegen 15:00 wieder im Hotel an.

Mit einem ungarisch-deutschen Pärchen aus Brüssel bin ich dann noch am gleichen Tag per Taxi nach Kandy gefahren.

Freitag, 17. August 2012

Ella

Sonntag, 12. bis Dienstag 14. August 2012

Die Busfahrt war laaaang. Sehr lang. 4 Busse = 3 x Umsteigen. Und das Umsteigen mit jedesmal einer Stunde Wartezeit. Insgesamt war ich bestimmt sieben Stunden unterwegs. Deniyaya -> Embilipitiya -> Thanamalwila -> Wellawaya -> Ella.


Bushalte in Deniyaya
Bus in Embilipitiya
Was gabs zu sehen? Nicht viel, aber immerhin etwas. Wilde Elefanten an der Straße und bekiffte Idioten im Bus. Ein Blinder hat sich fast auf mich draufgesetzt und ein Klo, so widerlich, dass ich dankend verzichtet habe.

In Ella angekommen: Touristen! So eine Zusammenrottung habe ich bisher noch nicht gesehen. Die Restaurants und Kneipen waren voll damit. Und gutes Essen gibt es hier auch. Richtige Pizza, ich aß Rotty. Richtige Burger, ich bestellte Reis.


Streetlife Ella

Im Hilltop Guesthouse eingecheckt, konnte ich die unfassbare Aussicht von dort kaum glauben. Besser als Sambal, Daal oder Curry. Besser als Burger und Pizza sogar. Aber ein Schlag handgemachter Katoffelbrei mit Spiegelei und das Fett aus der Pfanne über den Brei...

Ahab bleibt wacker, die Hand an den Wanten, das Holzbein steht wie eine Eins. Kartoffelbrei mit Spiegelei, das gibt es hier sowieso nicht. Und angeblich soll man das Meer von hier sehen können, wenn es richtig klar ist. Klar wie ein leckerer Ouzo, handwarm in kleinen Schlucken. Das sind 80 km bis zum Meer! Natürlich war es nicht richtig klar. In 20 km Entfernung zog Regen auf und benetzte wohl den einen oder anderen Elefanten. Hammer!

Hilltop Aussicht

Am Montag bin ich dann den Little Adam's Peak rauf. Lohnt sich, ist wirklich gut. Die Sicht auf die Tiefebene ist noch besser als vom Hilltop. Die zwei nächsten kleinen Hügel, die man von dort erreichen kann, habe ich auch noch mitgenommen. Für den Rückweg bin ich dann eine alternative Route gegangen, die richtig gut war. Alles Grün, Tee, Blumen, Büsche mit bunten Blüten, eine kleine Felsklippe auf der man über und in das nächste Tal starren kann.


durch die Teeplantagen

Ella Rock im Hintergrund

zwei nette Engländer (alte Schule)

heimlich fotografiert

Streuner

ein Luxushotel - die haben sogar nen Hubschrauberlandeplatz!

Termiten und Ella Rock

Aufstieg

weiter rauf

auf dem Adam's Peak

auf dem Adam's Peak

ein Adler


Alpenpanorama

gute Aussicht


Teeernte

Auf dem Rückweg, rein nach Ella, kamen mir zwei dicke Touristinnen mit Rollkoffern entgegen. Bergauf versteht sich. Wahrscheinlich auf der Suche nach Unterkunft. Die Koffer waren schwer, die Mädels gut durchgeschwitzt und schon sichtlich abgenervt. Ich meine, wie kann man nur so doof sein und sich nicht helfen lassen, wenn mann zusammen mit dem Gepäck grob geschätzte 400 Kilo auf die Waage bringt? Also, wenn man schon so weit ist, dass aus jeder normalen Personenwaage dunkler Rauch aufsteigt, die Federn um Gnade winseln und man höchstens in der nächsten Autowerkstatt sein Gewicht in Erfahrung bringen kann.


am Wegesrand

Büro mit Aussicht (Hilltop Guest House)
Ich habe mich noch kurz in ein Restaurant gesetzt und das bunte Treiben genossen. Nach einer guten halben Stunde kamen Donnerschenkel und Tsunami-Taille wieder den Berg runtergerollt. Die Koffer setzten zum Überholen an. Man waren die abgenervt, hehe. Ganz ehrlich, Selbständigkeit ist ja gut und schön - und typisch deutsch -, aber wenn es einfach nicht mehr geht? Dann muss man schonmal um Hilfe ersuchen. Leute fragen, wo man gut unterkommen kann, bevor man sich per Tuk-Tuk auf den Weg macht, zum Beispiel.

Ein Besuch am Bahnhof - ich wollte nur mal kurz nach Badulla - ergab, dass der Zug ausgefallen ist. Schade, die Strecke Ella -> Badulla soll die beste auf der ganzen Insel sein. Durch einen Tunnel und danach um den Berg herum, soll sich der Zug quasi selbst überholen.

Am Dienstag ging es dann auf den Nachbarhügel, den Ella Rock. Das war schon anspruchsvoller. Zuerst 2,5 km auf den Gleisen lang inklusive Affen (naughty monkeys!) und Eisenbahnbrücke (Stand By Me), dann über die Little Rawana Falls. Weil es hier seit Wochen nicht geregnet hat, war es nur ein Rinnsal und man konnte über die Steine an der Kante des Wasserfalls langgehen.

Danach durch schmale Pattwege im mannshohen Gras, bis zu einer kleinen Teeplantage. Dann durch lichten Wald, bis zu einem ersten guten Aussichtsplatz. Jetzt wurde der Wald dichter und der Weg steil. Stock 16 zu Fuß im Bredero zu erreichen ist nicht ganz so hart. Natürlich war es langsam auch wieder heiß da draußen, ist ja klar.


auf den Schienen

Affen

Affen
verrrry naughty!
 the Stand By Me moment
hier spielt jeder Touristenguide
Oben angekommen wieder eine gigantische Aussicht! Und man konnte sehr schön zum Little Adam's Peak rüberschauen. Ich wollte noch etwas weiter und habe am Ende des Hügels eine Buddhastatue in armseliger Behausung gefunden, die wohl eher selten Besuch bekommt. Die ganzen anderen Touris sind nach der gigantischen Aussicht einfach wieder runtergeklettert.
Little Adam's Peak im Hintergrund
Schrott am Schienenrand
Bei dem Buddha habe ich einen neuen Cache platziert, aber da ich - absichtlich - keine Dose dabei hatte, wird es ein Earth Cache werden. Erleichtert die Wartung, ist aber leider nicht ganz so toll. Hoffentlich lässt der Reviewer meine lasche Beschreibung durchgehen. Wenn nicht, muss ich nochmal nachpommern.
wie man Mangos erntet
Buddhistische Fahnen
der Buddha
Buddhas ärmliche Hütte